Eurovision Song Contest: 1. Halbfinale

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Der 58. Eurovision Song Contest steht vor der Tür. Für Deutschland wird im großen Finale am Samstag im schwedischen Malmö Cascada mit Glorius antreten. Auch ich hatte bereits vorher die Bonner Dancepop-Gruppe um Sängerin Natalie Horler eindeutig unter den Favoriten gesehen. Der Sieg im nationalen Vorentscheid war insofern keine große Überraschung mehr. Deutschland ist neben Frankreich, Italien, England und Spanien als Mitglied der „Big Five“ sowie dem diesjährigen Titelverteidiger und Gastgeber Schweden in der komfortablen Position, sich nicht mehr für das Finale qualifizieren zu müssen. Geld regiert halt auch die Eurovisionswelt! Die übrigen 33 Teilnehmerländer hingegen kämpfen in zwei Halbfinals um die begehrten restlichen 20 Plätze für das große Finale.

Ich habe mir alle Songs angehört – und es sogleich bereut. Bei einigen Beiträgen war der „Vorspul-Button“ mein größter Freund. Von interessant über langweilig bis grausam ist auch dieses Jahr wieder alles vertreten. Da wir (hoffentlich) viele Lieder nach dem Halbfinale nicht mehr wiedersehen werden, beschränke ich mich darauf, die „Highlight“ bzw. „Lowlights“ darzustellen. Die komplette Playlist zum ersten Halbfinale gibt es hier.

Österreich
Den Auftakt im ersten Halbfinale heute macht Natalia Kelly, „The Voice“-Siegerin aus und für Österreich. Zu doof, dass ihr Song „Shine“ bereits zu Beginn kommt, eignet er sich doch hervorragend für die Toilettenpause. Alternativ kann diese total seichte Popnummer aber auch für einen Powernap genutzt werden. Bemerkenswert ist allein, dass die obligatorische ESC-Windmaschine wohl direkt zum Einsatz kommen wird. Immerhin.

Estland
Wer meinem Rat zum Kurzschlaf gefolgt ist, wird sicherlich auch von Estlands Beitrag nicht geweckt werden. Birgit Oigermeel schunkelt im unschuldigen weißen Kleidchen zur 0815-Klavierballade. Da kann auch der eintönige Schlagzeugbeat nicht mehr retten.

Slowenien
Slowenien packt in den ersten Sekunden bereits die Dubstep-Keule aus. Kann man ja mal versuchen. „Straight Into Love“ ist aber eine allenfalls durchschnittliche Electro-Pop-Nummer. Das wird nichts.

Kroatien
Kroatien schlägt wiederum ruhige Töne an und schickt ihre 6 Tenöre nach Malmö. „Mižerija“ hinterlässt bei mir aber keinen Eindruck. Zumindest keinen positiven. Ich kann niemandem verübeln, an dieser Stelle noch einmal etwas Schlaf nachzuholen.

Dänemark
Aber nur kurz, denn nun kommt Emmelie de Forest für Dänemark. Die hübsche Ur-Ur-Enkelin der britischen Königin Victoria tänzelt barfuß zu „Only Teardrops“ über die Bühne. Begleitet wird sie von einem Flötenspieler und durchaus interessanten Trommelbeats. Der Song gefällt mir insgesamt echt gut. Größter Schwachpunkt ist allerdings Emmelies dünnes Stimmchen. Meines Erachtens gehört sie aber zu den besseren Teilnehmern des ersten Semifinals und damit ins Finale!

Russland
Russland schickt Dina Garipova, die mit „What If“ eine unverschämt schmalzige Weltverbesserungsballade im Gepäck hat. Ich befürchte ja fast, dass die ESC-Gemeinschaft auf diesen Rotz reinfällt. Wer auf den Text achtet, solltet sich besser einen Eimer neben die Couch stellen.

Ukraine
Auch die Ukraine versucht es mit einer Ballade. „Gravity“ ist jedoch wieder eine der interessanteren. Ein wenig erinnert der Beitrag an ein Musical oder einen Disney-Soundtrack. Während sich Sängerin Zlata Ognevich von Tonlagenwechsel zu Tonlagenwechsel hochschraubt, ohne wirklich je einen musikalischen Höhepunkt zu erreichen, macht der Rhythmus neugierig auf mehr. Ob es sich im Finale dann behaupten kann, weiß ich nicht. Dort gehört er aber hin.

Niederlande
Die Niederlande schickt mit Anouk eine im Heimatland recht bekannte Sängerin ins Rennen. In den 90er Jahren hatte sie mit „Nobody’s Wife“ einen großen Hit, den man eventuell auch außerhalb Hollands zur Kenntnis genommen haben könnte. Ihr ESC-Beitrag hingegen ist eine melancholische Ballade, die von Streichern und Anouks außergewöhnlicher Stimme getragen wird. Ich musste den Titel mehrfach hören, um ihn zu mögen. Das macht ihn meines Erachtens leider recht chancenlos beim ESC. Trotzdem hätte sie den Finaleinzug verdient!

Montenegro
Auch Montenegro springt auf den Dubstep-Zug auf. Schlicht „Party“ heisst der von „Who See“ gesungene Titel. Oder sollte ich besser „Rap“ sagen? Auf der Bühne wird es vermutlichen abgehen. Der Hip-Hop-Dubstep-Mix fällt aus dem Rahmen und könnte daher ins Finale einziehen. Lange kann ich mir das aber nicht anhören.

Litauen
Andrius Pojavis aus Litauen ist irgendwie komisch. Ist aber nicht schlimm. Er kann weder gut singen, noch ist sein Song „Something“ irgendwas besonderes. Next.

Weißrussland
Für Weißrussland tritt Alena Lanskaja mit Solayoh an. Die ersten Takte erinnern mich irgendwie an den ukrainischen Siegersong „Wild Dances“ aus 2004 von Ruslana. Die hat das damals aber eindeutig besser gemacht. Langweilig.

Moldau
Aliona Moon trällert im gewöhnungsbedürftigen Cyberoutfit für Moldau „A Million“ während sie am Klavier und von einer Großzahl von Streichern begleitet wird. Das war’s auch schon.

Irland
Kein Land hat so oft wie Irland den ESC gewonnen. Damit steht Sänger Ryan Dolan unter einem gewissen Erwartungsdruck. Von einem Favoriten zu sprechen wäre aber eindeutig übertrieben. „Only Love Survives“ ist kein Siegersong. Ein moderner Pop-Song, der problemlos von jedem x-beliebigen Neyo, Chris Brown oder Usher gesungen werden könnte. Deren Songs sind allerdings noch ein wenig eingängiger. Aber ’ne schöne Bühnenshow wird es bestimmt. Vermutlich auch im Finale.

Zypern
Zypern muss sparen. Das merkt man auch beim ESC. „An me thimase“ ist eine minimalistische Gitarrenballade, zu der sich nach und nach noch ein paar Streicher zugesellen. Ansonsten basiert das Stück auf der wirklich schönen Stimme von Despina Olympiou. Der Clap-Rhythmus und der schon obligatorische Tonlagenwechsel kann den Song angesichts der schwachen Konkurrenz vielleicht noch ins Finale retten. Mehr aber auch nicht.

Belgien
Ähnlich wie Österreich schickt auch Belgien einen „The Voice“-Sieger nach Malmö. Roberto Bellarosa hat mit „Love Kills“ vermutlich auch den besseren Song. Trotz Dubstep-Elementen bleibt er aber ebenso blass und chancenlos.

Serbien
Den Abschluss macht ein teufliches Damen-Trio aus Serbien. Moje 3 wurden vermutlich in erster Linie wegen der Optik ausgesucht. Das könnte man(n) noch verstehen. Warum sie dann aber mit „Ljubav je svuda“ einen absolut schrottigen Pop-Song schreien müssen, erklärt sich mir nicht ganz. Ob die Liedzeile „La la la la la“ hier Siegeschancen eröffnet? Wäre ja nicht das erste Mal.

Fazit: Viel Dubstep und Electro. Dazwischen ein paar ESC-typische Balladen. Wirklich interessant wird das erste Halbfinale leider nicht. Einzig Dänemark, die Ukraine und eventuell auch noch die Niederlande könnten das Einschalten rechtfertigen.

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